25. August 2011
Wes geistes Kind die Namen sind...
Es ist schon auffällig: Beinahe jeder erinnert sich an eigene Heimatadressen, selbst wenn sie in der tiefsten Vergangenheit begründet sind und heute keinerlei praktische Relevanz mehr haben. Unter dieser Adresse war man erreichbar, hier hat man gelebt, geliebt, gelitten.
Manche Einwohner/innen verteidigen die alten Straßennamen darum, als ginge es um weit mehr als um Erinnerung oder Topographie:
Und sie haben Recht! Es geht um weit mehr. Die Gesamtheit der Straßennamen ist nämlich immer auch eine Visitenkarte der Stadt, Ausdruck einer städtischen Gesinnung. So käme wohl niemand in Münster auf die Idee, eine Straße "Auschwitzstiege" zu benennen oder die Bahnhofstraße in die "Adolf-Hitler-Straße" rückzubenennen. Mit so manchem Straßennamen wird aber auf Persönlichkeiten, Ereignisse oder Orte positiv Bezug genommen.
Die Leitfrage muss also lauten: Wird diese Person, dieses Ereignis, dieser symbolhafte Ort von den MünsteranerInnen (weiterhin) für würdig befunden, auf ein Straßenschild "gehoben" zu werden?
Und hier muss sich jede Stadt und jede Gemeinde entscheiden, wen (oder was) sie mit ihren Straßennamen hervorheben will und wen nicht. Will Münster einen Rassehygieniker des 3. Reichs oder einen Aufklärer nationalsozialistischer Verbrechen ehren? Einen Militär oder einen Pazifisten? Einen Nazi oder einen Widerständler? Eine Schlacht oder einen Friedensschluss?
DIE LINKE. Münster vertritt hier einen eindeutigen Standpunkt: Nazis, Rassisten, Imperialisten, Demokratiefeinde, Militärs und Schlachten sowie vormalige Ostgebiete des 3.Reichs sollen in Münster nicht gefeiert werden!
Ist man sich unter den Fraktionen im Stadtrat noch mehrheitlich einig, dass Nazis nicht weiter auf Münsters Straßenschildern geehrt werden sollten, so kündigt sich bereits politischer Streit an: In der Straßennamenkommission wurde der Antrag von DIE LINKE. Münster, den General von Einem zu behandeln, von den anwesenden anderen Fraktionsvertretern einstimmig abgelehnt. Von Einem forderte als Kriegsminister im Reichstag unter lebhaftem Beifall von rechts die Vernichtung schwuler Männer in der Armee. Seine Memoiren beendete er mit der Willensbekundung, "wieder mitzukämpfen für das Deutschland von morgen:
Das Dritte Reich." Will Münster wirklich so jemanden ehren?
Martin Scholz



